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Erklärungen zur aktuellen Berechnung Das Optionalverfahren ist eine Kombination aus dem Bestellpunkt- und dem Bestellrhythmusverfahren.
Nach definierten Zeitintervallen wird der aktuelle Bestand geprüft und bei unterschreiten einer gegebenen Untergrenze eine Bestellung ausgelöst.
Zur Berechnung
 
1. Grundlagen der Lagerhaltungsmodelle
2. Einordnung des Optionalverfahrens
3. (t, s, q) - Politik
4. (t, s, S) - Politik

 

Weitere Hilfe:
Meldebestand und Sicherheitsbestand
Nomenklatur
 

1. Grundlagen der Lagerhaltungsmodelle

Man unterscheidet zwei Arten von Lagerhaltungsmodellen. Bei deterministischen Lagerhaltungsmodellen stehen Mengengrößen im Vordergrund. Primärer Entscheidungsparameter ist die Bestellmenge. Infolge dessen Festlegung werden in der Regel die Bestellhäufigkeiten und die Bestellzeitpunkte bestimmt. Der Periodenbedarf, der im Rahmen der Materialbedarfsplanung ermittelt wurde. Stellt den Ausgangspunkt für die Bestellmengenplanung dar. Das generelle Ziel ist die Ermittlung der kostenoptimalen Bestellmenge.
Bei stochastischen Lagerhaltungsmodellen steht die Bestimmung von Bestellzeitpunkten im Vordergrund. Die Disposition erfolgt bestandsgesteuert. Sie kommen in der Praxis häufig zum Einsatz, wenn eine unsichere Bedarfssituation vorliegt.
Es gibt vier Entscheidungskomponenten:
  • t (Time) Zeitperiode zwischen zwei Bestellungen (Bestellzyklus / Kontrollzyklus)
  • q (Quantity) Bestellmenge oder Losgröße
  • s (Stock) Lagerbestand, der die Bestellungen auslöst (Bestellgrenze, Bestellpunkt, Meldebestand)
  • S (Stock) Sollbestand, also das Lagerniveau, bis zu dem das Lager höchstens wieder aufgefüllt werden soll.
Die Lagerhaltungspolitiken unterscheiden sich hauptsächlich hinsichtlich dem Beschaffungsintervall t und der Beschaffungsmenge q. Bezüglich der frage des bestellzeitpunktes betrachtet man drei Fälle:
  1. Das Lager wird entweder in einem konstanten Zeitintervall t aufgefüllt
  2. Das Lager wird aufgefüllt, wenn die Bestellgrenze s erreicht oder unterschritten ist
  3. Der Lagerbestand wird zu festen Zeitpunkten kontrolliert. Wenn der Meldebestand erreicht oder unterschritten wird, wird eine Bestellung ausgelöst.
Die zu bestellende Menge lässt sich hinsichtlich zwei Fällen betrachten:
  1. Es wird entweder eine vorgegebene konstante Menge q bestellt
  2. Es wird eine variable Menge q beschafft, um auf den Höchststand bzw. Sollbestand S aufzufüllen.
Es ergeben sich also Folgende unterschiedliche Lagerhaltungspolitiken durch Kombination der Antworten:
  • (t, q) – Politik
  • (t, S) – Politik
  • (s, q) – Politik
  • (s, S) – Politik
  • (t, s, q) – Politik
  • (t, s, S) – Politik
Entscheidungsparameter

Politiken
t q s S
Bestellrhythmusverfahren
(t,q) – Politik
(t,S) – Politik

konstant
konstant

konstant
variabel

variabel
variabel

variabel
konstant
Bestellpunktverfahren
(s,q) – Politik
(s,S) – Politik

variabel
variabel

konstant
variabel

konstant
konstant

variabel
konstant
Kontrollrhythmusverfahren
(t, s, q) – Politik
(t, s, S) – Politik

konstant
konstant

konstant
variabel

konstant
konstant

variabel
konstant
 

2. Einordnung des Optionalverfahrens

Die (t, s, q) und (t, s, S) Politiken bilden die Optionalverfahren, die eine Kombination von Bestellpunktverfahren und Bestellrhythmusverfahren sind.
 

3. (t, s, q) - Politik

Die (t, s, q) – Politik ist eine Kombination aus dem Bestellpunkt- und dem Bestellrhythmusverfahren, aus der (t, q) – und der (s, q) – Politik. Alle konstanten Zeitintervalle t findet eine Überprüfung des Lagerbestandes s statt. Die Bestandskontrolle erfolgt also nicht nach jeder Lagerentnahme. Dies verursacht einen relativ geringen Verwaltungsaufwand. Bei Erreichen oder Unterschreiten der Bestellgrenze s zu einem Kontrollzeitpunkt wird eine Bestellung einer konstanten Menge q ausgelöst, sonst wird nicht bestellt. Die Kontrolle des Lagerbestandes erfolgt also in konstanten Zeitintervallen, die Bestellung in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen. Der durchschnittliche Lagerbestand ist geringer als bei der (t, q) – Politik. Fehlmengen können auftreten, wenn bei einer Kontrolle nach dem Zeitintervall ∆t der Lagerbestand knapp über dem Meldebestand s liegt und eine weitere Überprüfung erst nach weiteren Zeitintervallen ∆t erfolgt. Der Bestand kann dann aber schon aufgebraucht sein. Ein Einsatz der (t, s, q) – Politik ist bei gleichmäßigem Lagerabgang, vorzugsweise bei C-Materialien im Sinne einer ABC-Klassifizierung zu empfehlen, wenn der Verwaltungsaufwand gering gehalten werden soll oder die DV-Unterstützung eingeschränkt ist.
img

Skizze eines beispielhaften Verlaufes einer (t, s, q) - Politik


4. (t, s, S) - Politik

Die (t, s, S) – Politik ist eine Kombination aus Bestellrhythmus und Bestellpunktverfahren, aus der (t, s) – und der img(s, S) – Politik. Die Überprüfung des Lagerbestandes erfolgt wie bei der (t, s, q) – Politik ebenfalls in einem festen Kontrollrhythmus und nur das Erreichen oder Unterschreiten der Bestellgrenze s löst eine Bestellung aus. Im Gegensatz zur (t, s, q) – Politik wird nun keine konstante sondern eine variable Menge q beschafft. Der Lagerbestand wird auf den Höchstbestand S aufgefüllt. Die Bestellmenge q ergibt sich also aus der Differenz zwischen dem Sollbestand S und dem aktuellen Lagerbestand. Die Beschaffung erfolgt in regelmäßigen und unregelmäßigen Abständen, je nachdem, ob der Meldebestand zum Kontrollzeitpunkt erreicht wurde. Der durchschnittliche Lagerbestand ist im Vergleich zur (t, S) – Politik durch die Einführung des Meldebestandes s geringer. Für das Auftreten von Fehlmengen gelten Analog die Ausführungen zu den Bestellrhythmusverfahren. Auch die (t, s, S) – Politik zeichnet sich durch geringe Kosten für die Lagerkontrolle aus. Der Einsatz dieser Strategie ist sinnvoll, wenn:
  • Der Lagerabgang gleichmäßig erfolgt
  • Vorzugsweise für C-Materialien
  • Falls der Verwaltungsaufwand gering gehalten werden soll oder
  • Die Datenverarbeitungsleistung eingeschränkt ist.

Die (t, s, S) – Politik verursacht weniger Lagerkosten als die (t, s, q) – Politik.
img

Skizze eines beispielhaften Verlaufes einer (t, s, S) - Politik

 

Zusätzliche Informationen: Meldebestand und Sicherheitsbestand

Der Meldebestand ist eine Mengengröße. Erreicht oder unterschreitet der Lagerbestand den Meldebestand führt dies zur Auslösung einer Bestellung. Der Meldebestand wird daher auch Bestellpunkt genannt.
Der Meldebestand soll den Verbrauch während der Beschaffungszeit sicherstellen, d.h. Die benötigten Materialien bzw. Produkte müssen während der Beschaffungszeit aus dem Lager bereitgestellt werden können. Die Beschaffungszeit setzt sich zusammen aus:
  • Zeit der Bedarfsermittlung
  • Zeit der Durchführung der Bestellung
  • Fertigungszeit beim Lieferanten
  • Transportzeit vom Lieferanten zum Kunden
  • Zeitraum der Wareneingangskontrolle
  • Einlagerungs- / Kommissionierzeit
  • Innerbetriebliche Transportzeit
Der Meldebestand hat zudem die Aufgabe nicht planbare und unvorhergesehene Störeinflüsse durch den Sicherheitsbestand aufzufangen, um Fehlmengen zu vermeiden. Der Meldebestand lässt sich folgendermaßen berechnen:
 
s = vD · tB + SB
mit
  • s = Meldebestand
  • vD = Durchschnittlicher Verbrauch je Zeiteinheit
  • tb = Beschaffungszeit
  • SB = Sicherheitsbestand
Der Sicherheitsbestand sollte im normalen Produktionsablauf nicht angegriffen werden. Er sollte nur bei ausserplanmäßigen Störereignissen in Anspruch genommen werden.
Der Sicherheitsbestand ist keine fixe Größe. Es ist daher wichtig ihn dynamisch anzupassen. Er muss folgende Unsicherheiten abdecken:
  • Verbrauchsabweichungen
  • Lieferunsicherheiten
  • Zunahme der Beschaffungszeit
  • Bestandsunsicherheit
Der Sicherheitsbestand kann auf unterschiedliche Weisen bestimmt werden.
  • Schätzung aufgrund von Erfahrungswerten
  • durch Formel über Ermittlung und Bestimmung der Störgrößen
  • durch Festlegung des gewünschten Servicegrades oder über Wahrscheinlichkeitstheoretische Überlegungen.
Die Formel lautet:
 
SB = (td + ∆tD) · ∆vD + ∆tD · ∆vD + ∆B + ∆tD · ∆M + M · f
mit
  • SB = Sicherheitsbestand
  • tD = durchschnittliche Beschaffungszeit
  • ∆tD = Überziehung der durchschnittlichen Beschaffungszeit
  • vD = durchschnittlicher Verbrauch je Zeiteinheit
  • ∆vD = Mehrverbrauch je Zeiteinheit
  • ∆B = Abweichung vom durchschnittlichen Bestand in Mengeneinheiten (ME)
  • M = Bestellmenge
  • ∆M = Minderlieferung in ME
  • f = Fehlteile in %
Beispiel:
Ein Handelsunternehmen vertreibt Elektroartikel. Für die Lagerposition Fernseher soll der Meldebestand und der Sicherheitsbestand ermittelt werden.
Durchschnittlicher Verbrauch: 100 Stück / Werktag
Durchschnittliche Beschaffungszeit: 5 Werktage
Überziehung bei Verbrauch: Maximal um 15 %
Überziehung bei Beschaffungszeit: Maximal um 20 %
Sicherheitsbestand:
SB = 5 · 15 + 1 · 15 + 1 · 100
SB = 190
Meldebestand:
s = vD · tD + SB
s = 100 · 5 + 190
s = 690

Der Sicherheitsbestand beträgt 27,94 % vom Meldebestand.

Nomenklatur

  • t (Time)
  • q (Quantity)
  • s (Stock)
  • S (Stock)
© Lehrstuhl für Förder- und Lagerwesen
© 2017 TU Dortmund